Fachtag

Fachtag 2023

Unser Fachtag „Palliativversorgung: Komplexität ist unser Alltag“ findet am 17.05.2023 von 10 bis 17 Uhr im Hospitalhof in Stuttgart statt.
Weitere Informationen zu Inhalten und Referent*innen erhalten Sie demnächst auf unserer Website.

 

Bericht vom Fachtag 2022

In Hoffnung und Trauer

02. März 2022 von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr in der Elisabeth-Kübler-Ross-Akademie® Stuttgart

Hinweis zum Download: alle Texte in heller Farbe sind hinterlegt mit den jeweiligen Präsentationen.

Frau Haller empfing ab 9 Uhr alle ankommenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer herzlich und lud zum Austausch ein. Zur Einstimmung startete der offizielle Teil mit Musik von Mike Schweizer am Saxophon. Um 10 Uhr begrüßte Susanne Haller, die Leiterin der Elisabeth Kübler-Ross Akademie alle Anwesenden. Mit einem Blick gen Osten, sei der Fachtag zu Hoffnung und Zuversicht geradezu unheimlich passgenau. Nach zwei Corona-Jahren brauche es nun erst Recht Stärkung, Inspiration und Gelassenheit für die Care-Teams und die Trauerbegleiter*innen.

 

Susanne Haller schloss die Begrüßung mit den Worten ab:
„es ist okay und ihr seid okay, wenn ihr mit all dem nicht okay seid!“

Vortrag #1 Zuhause sein in der Hoffnung – Hoffnung als palliativer Raum – Möglichkeiten und Grenzen des Konzepts Hoffnung von Dr*in Diana Staudacher

Frau Dr. Staudacher hat mit ihrem wunderbaren Vortrag zu einer hoffnungsförderlichen und hoffnungsstarken Alltagskultur aufgerufen: Lassen Sie uns Respekt haben vor der Hoffnung eines jeden Menschen!

Aber wie kann das gelingen? Wie entsteht Hoffnung? Wie kann ein Raum der Hoffnung eröffnet werden? Wie können wir Zuhause sein in der Hoffnung? Wie ist stellvertretende Hoffnung zu verstehen? Anhand dieser Fragen hat uns Frau Dr. Staudacher das „Konzept Hoffnung“ vorgestellt. Lassen auch Sie sich von der Vision inspirieren! Wir möchten Ihnen noch etwas mehr davon berichten:

Wer hofft, öffnet sich mit freiem und alternativlosem Denken der Welt. Mit hoffnungsstarkem Denken kann die Gegenwart durchbrochen werden und damit wieder Sicherheit wachsen in unsicheren Lebenszeiten und Situationen.

  • Hoffnung ist eine innere Ressource.
  • Hoffnung ist eine soziale Ressource, wenn sich Beziehungsmomente mit Hoffnung füllen
  • Hoffnung ist eine spirituelle Ressource und Kraft.

Allerdings ist Hoffnung nicht angeboren. Wie wir individuell hoffen können ist abhängig von Bindungserfahrungen und somit in sehr frühen Kindheitsjahren verwurzelt (Security priming). Entsprechend der individuellen Erfahrungen bilden sich Nervenzellnetzwerke sehr früh aus, welche uns dann das Leben lang prägen. Wenn als (Klein-)Kind Umhüllungserfahrungen gemacht werden, ist die Fähigkeit auf Hoffnung in die Zukunft angelegt. Auf dieser Basis wird das eigene Selbstkonzept aufgebaut mit Blick in die Zukunft auf Pläne, Ziele, Vorfreude, etc. .

Jedoch haben nicht alle Menschen hoffnungsnährende Erfahrungen verinnerlicht. Trotzdem können Sie in schweren Lebenssituationen von Mitmenschen hoffnungsvoll unterstützt werden: durch „stellvertretende Hoffnung“! Die Mitmenschen eröffnen durch ihren sensiblen, respektvollen und bewahrenden Umgang mit der betroffenen Person einen Raum der Hoffnung, ein Hilfs-Ich. Dadurch wird das Bindungssystem der betroffenen Person aktiviert, das Angstsystem verliert seine Eigenmacht, das Ich und das Welterleben ist wieder spürbar für die betroffene Person und Geborgenheit kann entstehen. Ist das nicht ein wunderbarer Aspekt? Auf diese Weise kann auch stellvertretend für Menschen gehofft werden, welche selbst nicht mehr hoffen können – zum Beispiel aufgrund einer palliativen Situation. So kann sich Unsicherheit wieder in Richtung Sicherheit bewegen und das Gefühl des Alleinseins weicht einem Gemeinsam. Wir brauchen Hoffnung, denn die nackte Realität kann eine große Gefahr sein.

Vortrag #2 Resilienz im Erleben von trauernden Angehörigen in Zeiten von Corona von Dr*in Carmen Birkholz

Der vorausgegangene Vortrag gab Frau Dr. Birkholz immer wieder Anknüpfungspunkte für das Erleben der Resilienz in Zeiten der Pandemie-Krise. Mit den Worten von Robert Louis Stevenson: „Es geht im Leben nicht darum, gute Karten zu haben, sondern mit einem schlechten Blatt ein gutes Spiel zu machen“ verdeutlichte sie die Möglichkeiten zur Handhabbarkeit der Krise. Zuerst betonte Frau Dr. Birkholz in Ihrem Vortrag wie durch die in Kraft getretenen Corona-Maßnahmen im Frühjahr 2020 die deutsche Hospizbewegung plötzlich keinen Zugang mehr zu den wichtigen Sterbeorten erhalten hatte und unter Schock stand. Es fanden auch erst mal keine Trauerbegleitungen statt. Erst die Aufrufe beispielsweise #traueristsystemrelevant vom Bundesverband Trauerbegleitung e.V. (https://bv-trauerbegleitung.de/) habe die elementare Arbeit – gerade in Krisenzeiten – wieder hervorgehoben und führte mit viel Kreativität zu neuen Formaten in der Trauerbegleitung. Frau Dr. Birkholz stufte diese Erfahrung mit dem Begriff der „Untergeordnete Trauer“ ein. Auch die vielfältigen Erfahrungen aller in der Versorgung von schwerkranken und sterbenden Menschen beteiligten „Caregiver“ und Angehören sind wichtige Erfahrungen, die gehört werden müssen. Das Projekt „Care & Corona“ (Broschüre Care & Corona zum Download: https://www.hospiz-veronika.de/aktuelles/aktuelles/aktuelles-detail/broschuere-care-corona/) hat die Erfahrungen in 10 Leitsätze der Begleitung zusammengefasst. Zudem können sich Betroffene bis heute bei Dr. Birkholz für ein narratives (erzählendes) Interview für die Studie „Trauererfahrungen von Angehörigen von Menschen in Isolation während der Corona-Pandemie “ melden. Im Zentrum des Forschungsvorhabens stehen die Erfahrungen und das Erleben als Angehörige/Angehöriger oder Freundin/Freund eines Menschen, der in Isolation gestorben ist. Die Studie hat das Ziel, die Trauererfahrungen in Pandemiezeiten besser verstehen zu können und Ideen für Unterstützungsmaßnahmen für Betroffene zu entwickeln. Ein Weg um die gemachten Erfahrungen besser verstehen zu können – ein wichtiger Schritt für die Resilienz.

Nach zwei bereichernden Vorträgen gingen die Zuhörer*innen in eine verdiente und sonnige Mittagspause. In der Akademie wurden wir mit einem feinen Buffet vom Kulturwerk verwöhnt. Frisch gestärkt machten wir uns auf in die vier Foren des Nachmittags:

 

Forum #1 Achtsamkeit und Hoffnung“ mit Susanne Haller und Barbara Strohal

„Hoffnung ist ein Prozess bei dem die Menschen sich bestimmte Ziele vornehmen, die Motivation haben für die Erreichung dieser Ziele sich zu engagieren sowie ihre Fähigkeiten einsetzen, um die Möglichkeiten für deren Umsetzung zu entwickeln.“
Das Arbeitsblatt zu den eigenen Stärken aus dem Forum finden Sie hier. Dieses Zitat vom Hoffnungsforscher Charles Richard Snyder verdeutlicht, dass Hoffnung ins Handeln hinein motiviert. Hoffnung und Achtsamkeit sind ein „Perfectmatch“. Jede Achtsamkeits-Meditation ist eine Übung für die Hoffnung. Mit kleinen Achtsamkeitsübungen im Arbeitsalltag als „Innehalten als Teil der Arbeit“ schaffen wir uns eine Sinnhaftigkeit des Augenblicks und sind uns im gegenwärtigen Moment bewusst. Das Forum beendeten wir mit einer Achtsamkeitsübung, die die Teilnehmenden in einer hoffnungsvollen Stimmung in die Pause entließ.

Forum #2 Trauerbegleitung in Zeiten von Corona – Wie kann die Balance von Mut, Kreativität und Verantwortung gelingen? Mit Carmen Birkholz und Martina Reinalter

Wie haben wir Corona erlebt? Frau Dr. Birkholz lädt ein, uns anhand einer Landschaftskarte zu verorten: Gratwanderung – Nebel –schöner Felsen – Nah am Wasser – Kletterwand – über Stock und Stein – und vieles andere. Es gibt Raum für unsere Corona – Geschichten. Dann die Frage: Welches ist Dein Wort in Zeiten von Corona? Mut – Verantwortung – Kreativität. Wir schreiben „Elfchen“ zu unserem Wort. Frau Dr. Birkholz und Martina Reinalter lesen einige der Elfchen aus dem Chat vor – es ist berührend, tief, heilsam. Dann erneut die Verortung in der Landschaft. Es hat sich verändert – mehr Leichtigkeit, mehr Mut, mehr Hoffnung. Mut, Verantwortung und Kreativität ummanteln die Angst, nehmen ihr die Dominanz. Wir gehen gestärkt und bereichert zurück ins Plenum.

Mut
hilft mir
alles einmal auszuprobieren
was bisher undenkbar war
Dankbarkeit

Forum #3 Die Tücken und Chancen der verschiedenen Trauerperspektiven mit Mehrnousch Zaeri-Esfahani und Elena Stürmer

In unseren knapp zwei Stunden haben wir eine Reise mit Adler und Eisvogel, einem Olympioniken und viel Familie gemacht. Wir waren in Kamerun, in Benin, im Iran und in Mekka. Wir durften Zarathustra und dem Yaldafest begegnen. Wir haben die Vorzüge einer relational orientierten Gesellschaft kennengelernt. Wir haben mit einem Blick auf den Islam den Kreis zu Frau Staudachers „innerem Du“ geschlossen. Zu guter Letzt haben wir den Mut gefunden, uns der Tücke unserer eigenen Perspektive auf Trauer zu stellen und uns vorgenommen uns zukünftig mehr treiben zu lassen, einfach zuzuhören und die Geschichten von Mehrnousch nachwirken zu lassen.

Forum #4 Möglichkeiten der Begegnung – Wenn Kommunikationswege eingeschränkt oder nicht möglich sind. Gehörlosigkeit; Muttersprachlichkeit. Mit Sabine Egg und Birgit Bährle

Zum Einstieg zeigte Frau Egg einen Kurzfilm der die Fragen stellt: „Wo kommen wir her – wo gehen wir hin?“, „Warum sterben wir?“, „Was ist der Sinn unseres Todes?“, „Ist der Tod wirklich das Ende?“ (https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/tod_und_trauer/sterben/pwielebennachdemtod100.amp) Kulturen und Religionen beschäftigen sich von jeher mit all ihrer Unterschiedlichkeit und Individualität mit einem Thema, das uns Menschen verbindet: Krankheit, Sterben, Tod und Trauer. Kulturen geben uns Menschen Halt und Orientierung – Trost und Hoffnung, vor allem in belasteten Zeiten.

Orientierung in Kommunikation geben neben Sprache auch Gestik und Mimik, in der Verständigung mit gehörlosen Menschen besonders bedeutend. Deren Sprache, deren Muttersprache, ist übrigens nicht international, sondern genauso von Dialekten durchwachsen und gleichwohl eine eigene und gemeinsame Kultur.

Im Forum wurde ganz konkret über die Praxis in der Verständigung mit gehörlosen Menschen gesprochen, vom Erlernen der Sprache, über Hilfsmittel, bis hin zu Verständigungsmöglichkeiten, wenn Menschen zu schwach sind, ihre Hände für Sprache zu benutzen.

Ein heiterer Abschluss des Forums war das Ausprobieren des Lippenlesens mit gar nicht so schlechter Trefferquote. Frau Egg hat aber auch gut gesprochen – mit Ton und ohne Ton!

Um viertel nach vier trafen sich alle wieder im Plenum und tauschten sich über die Inhalte der Foren aus. Es wurde zum Abschluss des Tages viel gelacht und alle Teilnehmer*innen und Veranstalter konnten um 17 Uhr hoffnungsvoll in den Feierabend gehen.

Ein herzliches Dankeschön an den ruhigen, verlässlichen und dieses Jahr auch vertrauten Support von madmusic – danke Philipp, Marvin und Marius!

Danke Mike, dass du die richtigen Töne triffst!

Bericht vom Fachtag 2021

Übergänge begleiten – Familien unterstützen und stärken

12. Mai 2021 von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr in der Elisabeth-Kübler-Ross-Akademie® Stuttgart

Der Fachtag konnte aufgrund der aktuellen Lage leider nur online stattfinden. In der Akademie war jedoch ein tolles Studio aufgebaut. Wir bedanken uns hier nochmals recht herzlich für die wundervolle Unterstützung durch die Veranstaltungsfirma mad music.

Der Tag begann für uns mit rasch mehr werdenden, lachenden, manchmal fragenden Gesichtern in ca.170 Video-Kacheln auf den Bildschirmen. Um 9.45 Uhr holte uns Mike Schweizer mit dem Saxophon wundervoll aus dem Alltag heraus und in den Fachtag hinein. Susanne Haller, die Leiterin der Akademie, begrüßte um 10.oo Uhr alle Teilnehmer*innen. Sie widmete den diesjährigen Fachtag Prof. Dr. Dr. Dietrich Niethammer, der im Februar letzten Jahres in Tübingen verstorben war. Neben seinen medizinischen Verdiensten erwähnte Frau Haller besonders sein Buch „Das sprachlose Kind – vom ehrlichen Umgang mit schwer kranken und sterbenden Kindern und Jugendlichen“. In diesem Standardwerk der pädiatrischen Palliative Care brach er das bis dahin geltende Tabu und sprach direkt mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen.

Von Professor Niethammer schlug Frau Haller den Bogen zu den Teilnehmenden und lobte den Einsatz der Caregiver in der Pandemie. Der Fachtag solle die Teams  nach diesem kräftezehrenden Jahr unterstützen und stärken.

Die erste Rednerin, die das Thema des Fachtages aufgriff, war Prof. Monika Führer. Frau Prof. Führer ist Professorin für Kinderpalliativmedizin und leitet das Kinderpalliativzentrum an der Ludwig-Maximilians Universität in München.

„Hope for the best and prepare for the worst – Advance Care Planning in der Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen als iterativer Prozess“ (hier Powerpointpräsentation- pdf). Sie stellte den Weg der Münchner Kolleg*innen von der Pilotstudie PREPARE, die vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) gefördert wurde, zum fast fertigen ACP (Advance Care Planning)-Programm MAPPs (Modulares Advance Care Planning Programm für die Pädiatrie) vor. Begonnen hat sie ihren Vortrag mit den juristischen Grundlagen, Hürden und Chancen der Vorausplanung von Behandlung. Weiter stellte sie den Weg von Idee über Workshops mit Eltern bis hin zu fertigen Dokumenten vor. Die Arbeitsgruppe, Prof. Dr. Gian Domenico Borasio, Dr. Birga Gatzweiler, Prof. Dr. Monika Führer, Vedrana Zaimovic, Dr. Kathrin Knochel, Dr. Kerstin Hein, Dr. Julia Gramm, Dr. Anna Monz versteht ihr Programm vor allem als ein regelmäßiges Gesprächsangebot an die Familien. Die Befähigung der Eltern Entscheidungen mit ihren und/ oder für ihre Kinder zu treffen ist das zentrale Ergebnis dieses Prozesses. Am Ende dieses Jahres starten in München Coaching-Veranstaltungen zum MAPPs-Programm, bei denen sich Fachkräfte weiterbilden können.

Den zweiten großen Teil des Vormittages gestaltete Prof. Danai Papadatou, Ph.D. Professor für klinische Psychologie, Abteilung für psychische Gesundheit und Verhaltensstudien, Fakultät für Krankenpflege, Nationale und Kapodistrianische Universität Athen. Prof. Papadatou ist außerdem ein Gründungsmitglied und Präsidentin des Vorstands von „MERIMNA“. Diese Organisation bietet kostenlose Dienstleistungen für die ganze Familie im Trauerfall und pädiatrische Palliative home care an. „Merimna“ bietet spezialisierte Schulungen für Fachleute an, die in den Bereichen Gesundheit, psychische Gesundheit und Bildung tätig sind, und sensibilisiert die griechische Gesellschaft für Themen im Zusammenhang mit Verlust, Trauer und Hinterbliebenen.

Ihr erster Vortrag „Being the child’s companion at the end of life: Weaving meaningful pathways“ (hier Powerpointpräsentation pdf) startete nach einer kleinen Pause, die wieder von Mike Schweizer und seinem Saxophon mitgestaltet wurde. Die Präsentation aus Athen war voll mit beeindruckenden Kinderbildern und Geschichten. Prof. Papadatou sprach von den Schwierigkeiten der Familien mit Kindern, die sich in einem Schwellenzustand befinden „nicht krank genug zu sterben, nicht gesund genug, um zu leben“. Sie seien oft mit dem Kopf abwesend, doch körperlich anwesend. Das Erwachsenwerden und das Sterben sind beides Übergangsphasen, die eine Neudefinition des eigenen Selbst, eine Bedeutungssuche und eine innere Neuorganisation erfordern. In beiden Phasen benötigen die Kinder eine sichere Basis und einen Raum, in dem sie geschützt und gehalten werden. Um so die Möglichkeit zu haben erforschend und neugierig auf die Welt zuzugehen. Danai Papadatou hat uns dankenswerter Weise folgenden Artikel „Weaving meaningful pathways through the end of a child’s life“ (hier der Artikel) zur Verfügung gestellt.

Die Mittagspause verging wie im Flug – für die Akademie mit einem leckeren Imbiss vom Kulturwerk Ost. Die Foren starteten um 13.45 Uhr.

Forum #1: MAPPS- ein modulares Konzept für die individualisierte Vorausplanung von Therapie-entscheidungen mit Dr. Kathrin Knochel

Zum Einstieg erläuterte uns Frau noch einmal den Begriff Advance Care Planning (ACP) (Powerpoint) und die dazu gehörigen deutschen Übersetzungen, die nicht ganz passend sind, da die Bedeutung des „care“ Begriffs nur unzureichend übersetzt werden kann. Im weiteren Verlauf wurden der geschichtliche Hintergrund von ACP vom Erwachsenenbereich zur seit 2009 international entstehenden Entwicklung in der Pädiatrie sowie die damit verbundenen Herausforderungen und juristischen Besonderheiten dargestellt. ACP ist ein offenes Angebot! Frau Dr. Knochel ermutigte dazu, Familien auch erneut ein Angebot zu machen, wenn es bereits abgelehnt wurde.

Frau Dr. Knochel gab uns einen Einblick in den aktuellen Stand der Forschung, stellte qualitative Studien vor, die als Grundlage des Modularen Advance Care Planning-Programms dienten und beschrieb das methodische Vorgehen zu dessen Entwicklung. Nachfolgend ging sie auf die Inhalte der einzelnen Module ein (Vorbereitung- Erstgespräch- zentraler Gesprächsprozess- Zulassung- Implementierung sowie die transversalen Themen) in deren Zentrum das betroffene Kind steht und präsentierte Materialien und Dokumente für Fachpersonal und Infomaterial für Eltern. Die Bedeutung des shared decision making kam hier nochmal deutlich zum Ausdruck. „It takes two to tango“. Wichtig ist es alle Perspektiven zu betrachten. Die Wahrnehmung der Situation – hierzu blieb die bekannte optische Täuschung in Erinnerung, welches je nach Blickwinkel eine alte Dame oder junge Frau zeigt. In der Pädiatrie spielt darüber hinaus das Kind noch eine zentrale Rolle.

Anhand eines Fallbeispiels zeigte uns Frau Knochel Möglichkeiten und damit verbundene Voraussetzungen auf, um das betreffende Kind in den Prozess mit einzubeziehen. Es geht weniger um das ob, sondern vielmehr um das wie!

Eltern sind Experten ihrer Kinder, jedoch sollten wir uns unserer Verantwortung und Aufgaben als Caregiver immer bewusst sein!

Frau Dr. Knochel stellte uns noch folgende Artikel zum Nachlesen und Vertiefen zur Verfügung: Vorausplanung von Behandlungsentscheidungen bei Kindern und Jugendlichen: Neue Perspektiven durch das Konzept Advance Care Planning (ACP) (Artikel) und Vorausschauende Behandlungsplanung in der Kinderheilkunde (Dokument).

Forum #2: How can you do this job? It must be so hard! Challenges and opportunities in pediatric palliative care mit Danai Papadatou

Prof. Papadatou stellte mit vielen Bildern und eigenen Geschichten gespickte, zehn Punkte vor, die die Caregiver für ihre Arbeit rüsten. Als Beispiele haben wir folgende Punkte aufgeführt:

  • Palliative-Care-Wissen und Fähigkeiten
  • „shared intersubjective space“ = auf Augenhöhe arbeiten
  • Kinder sind verletzlich und widerstandsfähig, das heißt, sie brauchen Schutz und ehrliche Ansprache
  • die Fähigkeit, sich der Idee und der Realität des Todes zu stellen – wir gewöhnen uns nicht an den Tod!
  • die Anerkennung meiner eigenen Leidensgeschichte
  • Resilienz (Widerstandsfähigkeit) verbirgt sich in unserer Fähigkeit verletzlich zu sein. Mit sich selbst gefühlvoll und beschützend sein. Stichwort: „selfcompassion“.
  • Die Fähigkeit zu Empathie und Compassion (Mitgefühl)
  • Interdisziplinäre Team-Arbeit als größte Chance. Supervision ist notwendig
  • Führen und Leiten ist eine Kunst: Transformationale Führung bedeutet Visionen zu vermitteln, an gemeinsamen Werten und Zielen orientiert arbeiten
  • Organisations-Kultur: gemeinsame Fürsorge und Leidenschaft
  • echt, mitfühlend, reflektiert zu mir, der Familie, dem Team und der Organisation sein

Forum #3: Schwerstkranke Kinder werden erwachsen! Herausforderungen und Möglichkeiten der Transition in der pädiatrischen Palliativversorgung mit Dr. Birga Gatzweiler & Prof. Monika Führer.

Im Forum #3 haben uns Frau Prof. Führer und Frau Dr. Gatzweiler die Risiken und Chancen der Transition (Präsentation) aus der Patient*innenperspektive, aus der Elternperspektive und aus der Fachkraftperspektive aufgezeigt: Der Übergang von der Kinder- und Jugendmedizin in die Erwachsenenmedizin stellt für alle Beteiligten eine bedeutende Schwelle dar. Auch viele offenen Fragen wurden gemeinsam eruiert: ist Transition für alle Kinder und Jugendliche das Richtige? Wie und wann kann Transition gelingen? Der Austausch mit und unter den Teilnehmer*innen des Forums war sehr lebendig: der Nachmittag war eine gute Mischung aus fachlichem Input gekoppelt mit vielen Fragen, Lösungsideen und Wünschen für die Zukunft der Palliative Care für Kinder und Jugendliche.

Forum #4: Möglichkeiten der Reflexzonentherapie am Fuß nach H. Marquardt als Therapie- und Begleitangebot in Hospiz und Palliativeinrichtungen mit Roswitha Werner.

Roswitha Werner gab in ihrem Forum einen Überblick über Geschichte, Entwicklung, Umsetzung und Wirkweise der Fußreflexzonen-Therapie℗ (Präsentation). Ein Schwerpunkt bildete die Behandlungsform nach Hanne Marquardt. Die ehemalige Kinderkrankenschwester arbeitet als selbständige Heilpraktikerin und ist einen Tag die Woche mit ihrem Angebot im Kinder- und Jugendhospiz Stuttgart. Ihre Behandlung wirkt symptomlindernd und erhöht die Lebensqualität der Kinder. Auch Eltern und das Team des Kinderhospizes dürfen sich von Frau Werner verwöhnen lassen. Für jeden Patienten*in sucht sie zuerst ein passendes Öl und erforscht dann den Fuß. Sie streicht, drückt und knetet die Reflexzonen in einer festgelegten Reihenfolge. Der Therapie zugrunde liegt die Erkenntnis, dass der menschliche Körper seine Analogie im Fuß findet. Der rechte Fuß entspricht der rechten Körperhälfte, der große Zeh ist der Kopf, der Ballen die Wirbelsäule, usw.
Die Fußreflexzonentherapie aktiviert Entspannungsvorgänge im ganzen Körper. Zudem ist sie oft leichter anzunehmen als eine Massage des Rückens.

Nach den Foren trafen sich alle Teilnehmer*innen wieder im Plenum und lauschten erst Mike Schweizer und dann Regine Süsser, Elena Stürmer, Barbara Strohal und Katja Gorhan, die aus den Ergebnissen der Foren berichteten.

Frau Haller sprach die Hoffnung aus, dass das Ziel des Fachtages, neue Wege zu entdecken und Inspiration, Stärkung sowie Gelassenheit für die Begleitung zu erhalten, erreicht worden sei. Sie entließ alle Teilnehmenden mit den Worten: „Hoffnung ist die Kraft, über das Hier und Jetzt hinauszusehen“.

Wir bedanken uns bei allen Referentinnen und Mike Schweizer für die Gestaltung dieses gelungenen Fachtages. Und wir freuen uns darauf SIE am 02. März 2022 im Hospitalhof zum Thema „In Hoffnung und Trauer“ live wiederzusehen.

Gefördert von der Addy von Holtzbrinck Stiftung.